Der geschenkte Strom, der Gemeinderat und dein neuer Smart Meter

Ein Kommentar von Pirat WindstonSmith:

Warum im Grazer Gemeinderat noch viel, viel mehr Piraten sitzen sollen: Ein weiterer und nicht der geringste Grund dafür ist einfach der Zusammenhang zwischen Geschenken der ENERGIE GRAZ an ihre Stromkunden, der Zusammensetzung des Gemeinderates und der Umtauschaktion der alten Stromzähler ab Mitte 2017 gegen die neuen Smart Meter. Kurz zusammengefasst: Es geht also um Zukunft. Es geht um Transparenz und Privatsphäre. Themen also, die im bisherigen Gemeinderatswahlkampf ziemlich ausgespart wurden.

Der geschenkte Strom: Kurz vor Weihnachten flatterte den Stromkunden der ENERGIE GRAZ ein Brieflein ins Haus in dem bis zu 6 Monate GRATIS-STROM für ihre treue Kunden beworben wurde. Diesem Angebot kann man sich, wenn vor Weihnachten das Geld knapp wird schwerlich entziehen, noch dazu wenn in der Formulierung im beigelegten Info-Flyer davon die Rede ist: „Hier kommen ihre Geschenke“. Lauter Boni samt Preisgarantie bis 1.1.2019. Wow!

Laut landläufiger Definition des Begriffes Geschenk ist das die Übertragung einer Sache ohne Erwartung einer Gegenleistung. Bei den „Geschenken“ der ENERGIE GRAZ ist dies definitiv anders. Das „Geschenk“ erhalten nur diejenigen, die sich vertraglich bis Ende 2018 an ENERGIE GRAZ binden und nicht den Stromprovider wechseln. Von wegen Geschenk ohne Gegenleistung.

Dein neuer Smart Meter, oder tausche alten Stromzähler gegen Neuen. Der Stromzählertausch wurde uns von der EU verordnet und im Parlament abgesegnet. So weit so schlecht. Das Problem mit den neuen Stromzählern (Smart Meter) ist, dass diese den Stromverbrauch sehr detailliert an den Stromlieferanten rückmelden können und auch werden und aus diesem Grunde datenschutztechnisch und bezüglich Schutz der Privatsphäre nicht unbedenklich sind.

Vom Gesetz her sind zwar 5% als Obergrenze für ein „Opt-Out“ vorgesehen, das heißt, dass 5% der Stromkunden sagen können „Ich will nicht, dass mein Stromverbrauch so detailliert an eine Zentralstelle automatisch weitergeleitet und dort registriert wird, weil ich kein Vertrauen habe und befürchten muss, dass meine Daten missbräuchlich verwendet werden“. Aber das trifft eben nur 5%. Was sollen die restlichen 95% machen? Die können nicht einmal aus Verärgerung oder aus Protest den Stromprovider wechseln, wenn sie das „Geschenk“ angenommen und sich bis Ende 2018 vertraglich gebunden haben. So kann man als ENERGIE GRAZ natürlich auch Kundenbindung kaufen.

Und nun zum Gemeinderat. Was kann der Gemeinderat da schon ausrichten, das wurde uns doch von der EU und vom Österreichischen Parlament aufgezwungen? Er hat schon angerichtet, und zwar zugestimmt, dass die Kosten für den Smart Meter Tausch den Kunden der ENERGIE GRAZ angerechnet werden. Und warum kann er das? Weil wesentliche Teile der ENERGIE GRAZ über Graz Holding der Stadt Graz gehören und daher Mitsprachemöglichkeiten gegeben sind.

Und was können da die Piraten im Gemeinderat für dich tun?

  • Wir können dich informieren. Transparenz ist für uns nicht nur ein leeres Wort
  • Wir können in deinem Sinne Anträge und Abänderungsanträge zu Anträgen einbringen und abstimmen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir sind keine „Verhinderungspartei“. Ganz im Gegenteil, wir wollen Zukunft gestalten und die technischen Möglichkeiten zum Wohle aller nutzen. Dazu gehört auch ein klares JA zum technischen Fortschritt der intelligente Energieeinsparung und Nutzung ermöglicht. Das Smart Grid dessen wesentlicher Bestandteil die Smart Meter sind, wird gerade bei dezentralisierter Bereitstellung regenerativer und ökologisch sinnvoller Energie unverzichtbar sein.

Aber wir wollen auch dass alle an den wirtschaftlichen Vorteilen teilhaben und vor allem muss deine Privatsphäre geschützt werden. Das ist technisch machbar, wir wollen Nachbesserung in der Smart Meter Firmware und Anonymisierung in der Datenauswertung. Hier kann der Gemeinderat einhaken. Daher sollen Piraten im Gemeinderat sitzen.

Ihr werdet euch noch wundern, was mit den Piraten alles möglich sein wird: Wir schützen eure Privatsphäre.

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